ALPHA 77

Die Alpha Seventyseven!

Ein Meisterwerk aus den USA.
ETO ALPHA-77 ist vom legendären Dick Erhorn gebaut worden. Zuerst die PA-70 mit wassergekühlter Röhre (Version V) 3VC1500A7 oder der Ausführung mit luftgekühlter Röhre
3CX1000A7. Von diesen wurden 182 Stck. gebaut. Teilweise für kommerzielle Dienste.

Dick Erhorn konstruierte auch die Signal-One Transceiver!  siehe auch Wikipedia

Diese PA kostete1970 unglaubliche 1800.- USD. Das entspricht 1/5 des Jahreslohn eines Bauarbeiters in den USA. ( Quelle: https://usa.usembassy.de/etexts/his/e_g_prices1.htm)
Eine Waschmaschine kostete in den USA damals 440.- USD

Somit waren Dick Erhorns Versärker für den „Normalo“ fast unerschwinglich.
Auch heute sind die PA’s von ALPHA unglaublich teuer. Eine neue ALPHA 9500 kostet heute  8000.- USD!

Die ALPHA-77
wurde ab 1972 gebaut und angeboten. Die Röhre ist eine EIMAC 3CX1500A7/8877, bringt ca. 1500W HF Leistung am Ausgang der PA!

Ferner gab es ab 1977 die PA-77DX / SX. Letztere mit zwei!! 8877 Röhren bestückt, geben zusammen weit über 4000 Watt HF Power ab.     Preis der 77-SX: 6500.- USD 🙂
(Quelle: http://www.eham.net/reviews/detail/4186)

Ich habe die ALPHA77 von einem befreundeten OM erworben. Sie hatte jedoch einige Fehler, diese teilte er mir aber vor dem Kauf mit. Der Preis war aber sehr anständig mit CHF 500.-

Anfänglich
war nur der Bandwahlschalter falsch positioniert. Das Problem war rasch gefunden und behoben. Im Testbetrieb jedoch fielen schon bald die Hochvolt Gleichrichter-Dioden aus!
Solche sind auch heute noch erhältlich im Original. Kostenpunkt pro Stück: Fr. 150.-, es werden für die Brückengleichrichtung bekanntlich 4 Stück benötigt. Diesen Preis war ich nicht bereit zu bezahlen!
Somit habe ich preiswerte 1N5408 bei Pusterla Elektronik gekauft und diese in Serie (je 6 Stck.) geschaltet so dass sie eine Spannungsfestigkeit von 6000V bei 5A erreichen. Kostenpunkt: pro Diode 1.

Im weiteren Testbetrieb
gab es Probleme mit Hochlastwiederständen. Diese sind für den Step-Start verbaut. Stepstart wird benötigt, damit beim Einschalten der PA  der Hochvolt-Transformer in 2 Stufen bestromt wird. Dies um extreme Spitzenlasten zu vermeiden, denn dieser würde die Sicherung im Haus überlasten und den Oelgefüllten Kondensator vergewaltigen. Die ganze Schaltung ist relativ einfach mit Relais aufgebau.

Step-Start Funktion:
Der Trafo hat zwei Primärwicklungen in Serie. Sekundär hat er 2 Hochvoltausgänge (2400V / 4000V) und 2 Niedervolt-Ausgänge für die Peripherie. Siehe Bild oben. Rechts am Trafo sind die Sekundärspannungen.
Der eine ist 28V, der zweite 55V. Wenn nun die PA eingeschaltet wird, liefert der Netzstrom Spannung an Relais 1 (2 Stück, je eines für die Phase und den Null-Leiter) und schliesst die Kontakte. In Serie sind Relais 2 (auch 2 Stück als Fortsetzung der Phase und des Nullleiters)
Diese werden jedoch mit der Sekundärspannung 28VDC angezogen.
So lange die Kontakte von Relais 2 noch offen sind, fliesst der Strom parallel der Relaiskontakte #2 über Hochlastwiederstände (Sonst wäre der Primärstromkreis im Trafo offen) bis der Trafo erregt ist und auf der Sekundärseite Spannung abgibt. Sobald diese vorhanden ist, werden die Relais #2 mit 28V angezogen, schliessen den Kontakt und die Lastwiederstände werden entlastet. Das ganze dauert wenige 1/10 Sekunden.

Nun war aber im Gerätestecker 230VAC eine Kontaktzunge zurückgeschoben und der Nullleiter machte keine Verbindung. So floss der Netzstrom nicht von Phase auf Null, sondern über Entstörkondensatoren auf Masse.


Dies wiederum verhindert eine genügend starke Erregung des Trafos. Somit wird nicht die benötigte Spannung 28V zum schliessen des Relais #2 zur verfügung gestellt und der Netzstrom fliest über die Entlastungswiederstände (Relais #2). Diese sind dann so lange unter Strom, bis sie (oder einer davon) verbrennen! Auch dieses Problem wurde gelöst. 🙂

Dann passierte wieder ein Unglück.
Die Röhre hat ja bekanntlich eine Anode, Kathode und das Schirmgitter. Letzteres wird
mit 55VDC „vorgespannt“. Fällt die Spannung am Gitter ab, fliest der Anodenstrom, was nur beim senden sein darf und die Röhre wird heiss.

Beim senden ist das erwünscht, dass der Anodenstrom (Plate-Current) fliesst. Dies wird dadurch erreicht, dass der TRX sein Strom auf das Gitter liefert und die Elektronen von der Anode zur Kathode fliesst.

An meiner Röhre standen aber im RX – Betrieb nicht die vorgeschriebenen 55V Gitterspannung an, sondern nur deren 4V. Also fliest ein hoher Gitterstrom (Grid Current) von etwa 250mA. Ohne zu senden! Dadurch erhitzt sich die Röhre stark, zumal der maximal zulässige Gitterstrom 350mA nicht überschritten werden darf!

Ich habe mit diversen OM’s diese Problem diskutiert und nur einer konnte mir helfen:
Hugo, HB9AFH, der Präsident des HTC, hat mir den Ratschlag erteilt, nacheinander alle Peripherien, die an der 55VDC Versorgung angschlossen sind, zu isolieren. Diese bestehen aus folgenden Verbrauchern: T/R Circuit Bord mit der Schutzschaltung für zu hohen Gitterstrom und der Gittervorspannung. An dieser Leitung (55VDC) ist eine Leitung zum Messgerät (Plate Current). Als ich diese Leitung unterbrochen habe, war die Gitterspannung wieder so wie sie sein soll: 55V. Somit war klar, dass der Strom über das Messinstrument abfliessen konnte.
Aber warum? Nach dem Messinstrument ist eine Diode D2 geschaltet, die gegen Masse sperrt.

Diese Diode D2 war defekt, sie sperrte nicht mehr gegen Masse und somit konnte der Strom über diese Diode zur Masse fliessen! Die Spannung fiel fast bis 0V und ein hoher Gitterstrom ist geflossen! Grid-Current > 250mA !!

Wie funktioniert denn eigentlich eine Triode?

Auch diese Problem ist nun behoben durch den Ersatz der defekten Diode.

Das letzte Problem besteht darin, dass durch eine falsche Verdrahtung der Lüftermotor, ein massives Radialgebläse, nicht mit halber Netzspannung (115VAC) sonder mit den vollen 230V
versorgt wurde. Der Motor verbrannte! Hätte ich dies vorher festgestellt, hätte man mit einer Diode eine Halbwelle der Sinusspannung gesperrt und es wären nur noch 50% der Netzspannung an den Motor geliefert worden. (Auch wieder ein guter Ratschlag von Hugo)

Nun muss ich schauen, dass ich einen passenden Motor für den Lüfter bekomme. Das Lüftergehäuse selbst ist angepasst an das Gehäuse der PA und somit etwas exotisch. Oder die PA wurde so gebaut, dass ein Handelsüblicher Radiallüfter eingebaut werden konnte. Hi.

Im WWW bin ich fündig geworden. Ein Händler in den USA bietet gehau disen benötigten Lüfter an. Ich erwarte noch seine Antwort auf meine Frage, ob er sie nach HB9 senden kann. Der Ventilator ist zwar relativ teuer mit 125 USD, aber wenn er der einzige ist, der ihn anbietet, bleiben mir wenige Alternativen. Eine davon wäre, den verbrannten Motor neu bewickeln zu lassen, das wäre aber in der Schweiz teurer als den Lüfter via Ebay zu kaufen. Anders wäre es, wenn ich den Motor dem Scholle, HB9EMD, mitgeben kann, wenn er das nächste mal nach Serbien fährt. Dort ist eine Neubewicklung des Motors günstiger als der Fan aus den USA….

Links zu Informationen der Alpha-77
https://www.alpharfsystems.com/?p=1391
EIMAC 3CX1500A7/8877
Youtube
Mehr Youtube

Mittlerweile habe ich aus den USA die Antwort wegen dem Lüfter erhalten. Die Versandkosten
sind stolze 70.- USD ! 🙁
Ich habe eine Rückfrage betreffend günstigerem Versand gestellt. Hoffentlich gibt es eine Alternative. Sonst bleibt mir wenig als Alternative übrig und ich werde die Kosten halt tragen müssen. Denn ohne den Ventilator kann ich die ganze PA nicht nutzen!

Erneut Antwort aus USA erhalten: Shipping coast new: 55.- USD 🙂


Folgend noch einige Bilder der ALPHA SEVENTYSEVEN:

Das chaotische Schema. Hugo kann es besser!

Die Frontplatte mit der Bedienung

Der Hochvolt Brückengleichrichter Dioden

Stepstart Relais links und Hochvoltrelais rechts

Der Tankkreis (PI-Filter) und unten Röhrensockel

Vakuum-Kondensator und Drosselspule

Eingangsnetzwerk rechts, Control-Board links

  Der Transformer, 4000 Volt. Grün: 5V 10A 🙂

Tankkreis Drehkos

Kettenantrieb und blau: Vakuum C Antrieb

Kettenantrieb für Bandwahlschalter! Robusto 🙂

Röhrensockel

Das Herzstück: die Röhre 8877.  0,7 KG schwer!

 

Vereinfachtes Schema, gezeichnet von Hugo, HB9AFH:
Visio-Schema Funktion A77 V2[1036]

Visio-Schema Funktion A77 Power Control V1[1037]